Eva KojEs ist noch gar nicht lange her, da hat Eva Koj ihre Arbeit an einem jeden ihrer Keramikgefäße in einem einzigen Satz umrissen: "Ich begebe mich auf eine Entdeckungsreise ..." (auch die drei Punkte gehören zum Zitat).
So man sich mit diesem vielerlei Assoziationen freisetzenden Zitat beschäftigen will, so ist bei dieser Art des Fortkommens nicht nur der Adrenalinstoß der Spontaneität gemeint, der sie zu neuen Ufern aufbrechen läßt. Diese Metapher für ihr künstlerisches Tun enthält vielmehr, auch das tiefe Verstehen und die lange Vorbereitung, eine begründete Portion stets wacher Neugierde und das sichere Gefühl für Machbarkeit und Risiko, soll so eine "Entdeckungsreise" nicht im Desaster oder finanziellen Ruin enden. ! .. , Die Fähigkeit zum steten Wandel im Werk einer Keramikerin mag Eva Koj bei ihrer ersten Lehrmeisterin Christine Atmer de Reig bereits erkannt und schätzen gelernt haben. Das daraus der prinzipielle Impuls für ein lebenslanges keramisches Tun erwachsen sollte, wird ihr in der "Kieler Schule" des Johannes Gebhardt deutlich gemacht worden sein. Künstlerische Freiheiten und keramische Grenzerweiterungen waren die Ziele, denen es sich auf vielen Entdeckungsreisen zu nähern galt. Eva Koj hat dabei ganz und gar auf die Erkundung des Materials und auf die Erprobung seiner Konsistenz und Plastizität gesetzt. Und die damit verbundenen Zerreißproben hat sie gewissenhaft auf eine mögliche, dem Material immanente künstlerische Aussage und Gestaltung untersucht. Und -wie wir sehen -sie ist fündig geworden!
Eva Koj ist Gefäßkeramikerin -und schwimmt dabei ein bißchen gegen den Strom in der deutschen Keramikszene. Sie ist eine hervorragende Scheibenkeramikerin, die auch große und hohe Gefäße zu hauchdünnen Scherben auszudrehen befähigt ist, auch darin liegen ihre besonderen Qualitäten. Gepaart mit ihrer Neugierde, das plastische Material des Tons ganz ihrem Gestaltungswillen zu unterwerfen, hat sie inzwischen zu ganz eigenen Mischungen verschiedener Steinzeugtone gefunden, denen sie viel Schamottemehl in unterschiedlicher Körnung und dazu noch Farbpigmente beigibt.
Der extremen Materialbeanspruchung bis zur Zerreißprobe hat sie schon vor vielen Jahren Kugelbecher, flache Schalen und Teller mit mäßig breiten Fahnen überantwortet, die, bis zur Sägeblattdicke ausgedreht, an den Rändern und Mündungen Ausbrüche zeigten, ausgefranst waren. Auch zeigten sich in den Wandungen von Kalebassenformen und Kummen rauhe Aufbrüche in den Stegen und Wülsten zwischen den Fingerdrehrillen. Von ihren Händen frisch hochgedreht, standen spätestens nach dem Trocknungsprozeß Gefäße in den Regalen, die schon vor dem Schrühbrand Alterungs- und Zersetzungsspuren zeigten, die keramischen Bodenfunden aus alten Kulturen in nichts nachstanden.
Für die schrundig-rissigen "angeborenen Alterungsspuren" in den Oberflächen eine adäquate farbige Behandlung zu finden und dadurch die Einheit von Form, Oberflächenstruktur und Glasur zu gewährleisten, gilt zugleich ihr weiteres Bemühen. Ihren Gefäßen bleibt der von Glasuren unverschlossene eigenfarbige Scherben, der nach dem Schrühbrand mit Salzen und Pflanzenaschen berieben wird und allenfalls durch intensiv-gestische Pinsel malerei mit Engoben oder Glasuren ein paar farbige Akzente erhält.
Damit liegt der Gestaltungskanon der Keramik von Eva Koj schon seit Mitte der 90er Jahre fest. Doch Meisterschaft setzt sich immer neu~ Ziele: Und so gestaltet sie seit etwa 1995 unterschiedlich große, bis zur halben Höhe spannungsvoll gedrehte Kugeltöpfe, deren breiter zylindrischer Hals mit zunehmender Höhe an formaler Spannung verliert und im Mündungsring -aufgrund der eigenen Materialschwere -einknickt und sich azentrisch zur Seite neigt wie ein zu lang gestrickter Schlauchkragen (um im Bilde zu bleiben). Diese Töpfe und Kummen -bis jetzt allemal Höhepunkte und zugleich "Markenzeichen" ihres keramischen Werks -zitieren in Abwandlung und in Anerkennung der unterschiedlichen Materie die heiter-ernste Devise eines amerikanischen Filmklassikers: "No bowl ist perfect"! -Dazu sei auf den Zitatenschatz verwiesen, aus dem sich bereits zu Anfang bedient wurde. Eva Koj meint gerade angesichts dieser Gefäße von ihrer Hand: "Sie leisten einem vordergründigen Gefallen Widerstand". - Aber schön sind sie doch!
Eckard Wagner
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