Rita De NigrisMalerei auf Keramik, die Arbeiten der Rita De Nigris
Aus Prinzip neigen wir Menschen dazu die Dinge in Kategorien einzuteilen, in Ordner, Schubladen oder Kartons, sauber beschriftet und klar tituliert: Keramiker sind Handwerker und Maler sind Künstler.
Doch dann tauchen da die Arbeiten von Rita De Nigris auf: Keramische Arbeiten mit gefäßähnlichem Charakter, die nicht zu trennen sind von der figurativen Malerei auf ihrer Oberfläche.
Ein Blick in das Innere zeigt die Struktur dieser Keramiken. Sie sind verhältnismäßig grob aus von dem Tonbatzen abgerissenen Stücken aufgebaut. Außen geglättet und verdichtet bildet diese gewachsenen Hülle einen Körper, der nur noch gestaltsmäßig einem Gefäß gleicht, vielmehr aber ein Volumen bildet, das von der tönernen Wand begrenzt wird.
Darauf Porträts, Charakterzüge fiktiver Gestalten, denen das Volumen der Form die sie trägt, eine Vielschichtigkeit verleiht, die sich erst mit der Bewegung des Betrachters erschließt.
Je nach Blickwinkel werden die Dargestellten bis ins Groteske verzerrt: Augen quellen über Ausformungen heraus, Nasen wachsen zu monströser Größe und aus anmutigen Frauen werden alternde Mannweiber.
Wenden sich die Gestalten auf der einen Seite noch einander zu, so kann ihre Distanz aus einer anderen Ansicht nicht größer sein. Die Arbeiten zeigen die inhaltliche Auseinandersetzung der Künstlerin mit der Dualität unserer Beziehungen, mit der Liebe und der Abneigung, dem Alter und der Schönheit, dem Liebenden und dem Geliebten, dem Schwarz und dem Weiß. Nicht Eines besteht ohne das Andere, fast wie im richtigen Leben.
Trotz der intensiven inhaltlichen Komponente wirken die Arbeiten aber nicht oberflächlich illustrativ, sondern sind geprägt von einer seltsamen Ästhetik, die aus der keramisch-handwerklichen Präzision in der Wahl der Mittel und dem künstlerisch ausformulierten Umgang mit ebendiesen geprägt ist.
Das Material: Hochgebranntes Steinzeug mit Porzellanüberzügen, Pigmente. Weichplastisch geformt und im Rohzustand bemalt.
Die Künstlerin: 1964 in Süditalien geboren, in der Zentralschweiz aufgewachsen. Studium am Instituto D`Arte Della Ceramica, Faenza und Kunsthochschule Kassel, zahlreiche Ausstellungen, Auszeichnungen in Italien und Deutschland, Lehrtätigkeit an der Fachschule für Keramik, Höhr-Grenzhausen
Martin Kröger
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